„Rote Grütze wird traditionell aus roten Beerenfrüchten zubereitet, leicht gezuckert und mit Speisestärke, Gries oder Sago gebunden. Vorzugsweise als Nachtisch gereicht, wird die Rote Grütze meist mit kalter Milch oder Vanillesauce serviert.“ heißt es auf der Seite des Landes Schleswig-Holstein. Das ist gemeinhin auch das, was man üblicherweise damit assoziiert.
Ein Horrorbeispiel Osterland „Rote Grütze“ aus dem Sortiment des Discounters Norma möchte ich hier vorstellen.
Zutatenliste:
Wasser
Zucker (16,9 %)
Modifizierte Stärke
Hartweizengries (1 %)
Apfelpulver (< 1 %)
Verdickungsmittel Carrageen
Guarkernmehl
Johannisbrotmehl
Säuerungsmittel Citronensäure
Säureregulator Natriumcitrate
Farbstoff Anthocyane
Aroma
Zusatzhinweis: Kann Milch enthalten.
Aufgepasst?
Es sind überhaupt keine Beerenfrüchte enthalten! Das Produkt besteht in seinen Hauptbestandteilen aus Wasser und Verdickungsmitteln (Modifizierte Stärke, Carrageen, Guarkernmehl, Johannisbrotmehl), konserviert mit Zitronensäure und weil es sonst nur nach Zitronensäure und Algen (Carrageen wird aus Algen gewonnen) schmeckt, muss Aroma für den Geschmack sorgen.
Der Zusatzhinweis: Kann Milch enthalten irritiert mich bei einer natürlicherweise veganen Speise völlig. Dies ist wohl implizit ein Hinweis auf enthaltene Hilfsstoffe auf Milchbasis, die nicht deklariert werden müssen und deshalb auch nicht deklariert werden.
Welcher Konsument kommt denn auf die Idee, bei einem natürlicherweise veganen Produkt, nachzuschauen, ob Bestandteile tierischen Ursprungs sind?
Wer das Etikett genau liest, erkennt den Satz: „Mit Himbeer-Geschmack“. Solche Sätze zeigen immer direkt an, dass keine Himbeeren enthalten sind (das stünde sonst dort), sondern Aromastoffe für Himbeergeschmack sorgen.
Tipp:
Produkte mit Himbeergeschmack, Schokogeschmack, Vanillegegeschmack, Egal was-Geschmack meiden!
Wohl gemerkt, was in der Zutatenliste ganz vorn steht, ist stets der Hauptbestandteil. Zutatenliste in diesem Fall:
Wasser
Rapsöl 5,6 %
modifizierte Stärke
Zucker 13,25 g
3 % Knoblauch
Branntweinessig/Weinessig
Speisesalz 2,5 g
Aromen – welche Geschmacksrichtung eigentlich?
Zitronensaftkonzentrat
Konservierungsstoff: Sorbinsäure
Dill
Rapsöl steht an 2. Stelle mit 5,6 %, der Gehalt an Wasser kann mit rund 80 % des Produktes angenommen werden, schätze ich. Ein 200 ml Wasser für 2,29 € bedeutet einen Liter-Preis von > 11 € – dafür bekommt man schon eine gute Flasche Qualitätswein.
Nicht verwunderlich: Das Produkt enthält kein Tzaziki, denn sonst wäre es nicht vegan. Tsaziki besteht aus griechischem Joghurt (mit 10 % Fett), Salatgurke, Olivenöl und Knoblauch. Auch die natürlicherweise veganen Bestandteile von Tsaziki fehlen in diesem Produkt. Tzaziki Style ist eben im wörtlichen Sinne kein Tzaziki.
Eine Gurkenscheibe ist auf dem Produktetikett abgebildet, aber im Produkt nicht enthalten!
Convenience-Lebensmittel enthalten oft Bestandteile, die mit gesunder Ernährung nicht vereinbar sind. Aromastoffe (egal ob natürlich, naturidentisch oder sonstwie geartet) sind zugelassene Masthilfstoffe. Wer sich davon ernährt, darf sich nicht wundern, wenn er fett und rund wird. Mit all den Begleitrisiken, wie etwa Fettleber und Diabetes Typ 2.
Ich werde nicht locker lassen, hier auf schädliche Lebensmittel aufmerksam zu machen. Was gut schmeckt, ist lange kein Qualitätskriterium mehr. Wenn einem Lebensmittel Aromastoffe hinzugefügt werden, kann der Grund nur sein:
Das Produkt hat kaum Geschmack oder
Der Geschmack vieler Zusatzstoffe soll überdeckt werden oder
Durch die Behandlung sind die natürlichen Geschmacksstoffe verloren gegangen oder
Das Produkt ist hochgradig künstlich oder
Das Produkt enthält die vorgegaukelten Inhaltstoffe gar nicht
Man muss Produktbezeichnungen lesen wie Reiseprospekte. Also jedes Wort wörtlich nehmen (Hotel mit Blick Richtung Strand wird nicht mit Meerblick sein, 100 m Luftweg zum Strand kann heißen, dass der Fußweg dorthin viel weiter ist).
Eis mit Vanilllegeschmack enthält somit keine Vanille (das stünde sonst drauf), sondern nur Vanillearoma.