Mount Everest: Aufstieg kommt vor dem Fall

Es sind schon so viele Menschen am Mount Everest gestorben, dem höchsten Berg der Erde. Selbst erfahrene professionelle Bersteiger wie Peter Boardman (*1950) und Joe Tasker (*1948 – beide † im Mai 1982) fanden am Mount Everrest den Tod. Auf mich übt der mir selbst völlig fremde Drang, sich im Hochgebirge Todesgefahren auszuliefern, eine morbide Faszination aus. Diese Leute geben viel Zeit und Geld dafür aus, irgend wo als der Erstbesteiger eines mehr oder weniger bedeutenden Berges verzeichnet zu werden. Es gibt immer neue Generationen von Bergsteigern und Extrembergsteigern, welche anscheinend offensiv das Toderisiko suchen oder der Welt zeigen wollen, was für ein Kerl sie sind.

Boardman und Tasker hatten den Mount Everest bereits bestiegen; sie waren bei der legendären Erstbesteigung der Südwestwand unter der Leitung von Chris Bonington 1975 dabei (bei dieser Expedition starb Mick Burke). 1982 wollten die beiden eine als noch schwieriger geltende Route über die Three Pinnacles nehmen, die bis dahin noch niemand schaffte. Dieser Versuch kostete beiden das Leben.

Der Focus listet im Artikel Der Berg fordert seine Opfer neben den normalen Todesrisiken des Mount Everest: Lawinen (und einstüzende Seracs im Khumbu-Gletscher) , Absturz, Erfrieren, Erschöpfung, Höhenkrankheit, Herzinfarkt, Hirnödem usw. weitere Risiken auf:

  • Abweichen von der Normalroute
  • Klettern ohne Flaschensauerstoff
  • Alleinklettern

Extremisten unter den Extrembergsteigern sind die Alleinkletterer. Nepal hat deshalb 2019 verkündet, Alleinbesteigungen des Mount Everest nicht mehr zu geneghmigen. Sehr bekannt war der schweizer Solokletterer Ueli Steck; er starb im Alter von 40 Jahren im April 2017 bei einer Trainingstour zur Vorbeitung des Aufstiegs auf den Mount Everest am Nuptse.

Jetzt kommt der junge deutsche Extremkletterer Jost Kobusch (* 1992) und legt allen Risiken noch eins drauf. Die Wetterverhältnisse am Mount Everest sind sehr lebensfeindlich. Zur viel zu dünnen Luft und extremer Kälte kommt die tödliche Gefahr von Blizzards, Lawinen und Erdbeben. Im Mai sind die Wetterverhältnisse für eine Besteigung am günstigsten, weshalb alljährlich im Mai die meisten Besteigungen stattfinden; teilweise entstehen in diesem kleinen Zeitfenster am Mount Everest gefährliche Staus (tagestschau.de). Kobusch will nun aber im Winter allein und ohne Sauerstoff den Mount Everest über den Hornbein-Couloir, einer Steilschlucht an der Nordseite des Mount Everest (Der Spiegel) bezwingen. Damit setzt er allen Risiken noch eins drauf.

  1. Aufstieg nicht über Normalroute
  2. Aufstieg allein
  3. Aufstieg ohne zusätzlichen Sauerstoff
  4. UND Besteigung im Winter

Jedes Jahr wird die Liste der am Mount Everest gestorbenen Bergsteiger länger. Nicht nur leichtsinnige Touristen, sondern auch professionelle Bergsteiger und viele Sherpas haben sich hier eintragen düfen. 2018 starb der japanische Alleinkletterer Nobukazu Kuriki am Mount Everest auf 7400 m an Unterkühlung in seinem Zelt.

Kauft nicht bei Spammern!

Rote Liste der Anbieter

Grundsätzlich kaufe ich nichts bei Anbieter, die mich mit Werbung oder Spam belästigen; zu letzterem gehören auch nicht bestellte ‚Newsletter‘.

Ich beginne hier mal eine kommentierte Liste, welche ich weiter pflegen werde.

Kategorie 1: Post im Briefkasten

Conrad Elektronik Conrad.de
2–3 Wochen nach einer Bestellung bekommt man postalisch Werbung von anderen Unternehmen geschickt. Das heißt, Conrad verkauft seine Kundendaten an Dritte!

Otto Versand otto.de
Wenn man einmal etwas bei Otto bestellt, wird man regelrecht zugemüllt mit Werbung mit der Post.

Kategorie 2: Post per E-Mail

Telefónica Germany GmbH & Co. OHG (O2online.de)
noreply@ads.o2online.de beglückt mich regelmäßig mit mehreren ‚Newslettern‘ am Tag. Ein Link zum Abbestellen ist vorhanden.

Hansa-Computer GmbH
newsletter@hansa-computer.de beglückt mich mit einem nicht bestellten ‚Newsletter‘. Ein Link zum Abbestellen ist vorhanden.

Junge Autofahrer … 13-jähriger Radfahrer schwer verletzt

Junge Autofahrer … 13-jähriger Radfahrer schwer verletzt

Man kann nicht oft genug betonen, dass man zum Autofahren eine Menge Erfahrung braucht, welche sich nur nach und nach mit der Zeit einstellt. Beinahe-Unfälle sind hilfreich, echte Unfälle können dagegen fatale bis letale Folgen haben, die nicht wieder gutzumachen sind. Deshalb, wenn möglich auf Fahrweisen mit erhöhtem Risiko verzichten (höhere Geschwindigkeit – nicht immer ist es angemessen, so schnell zu fahren, wie erlaubt, Überholmannöver). Es reicht nicht aus, Kupplung, Gas und Bremse bedienen zu können und genügend PS/kW unter der Haube zur Verfügung zu haben. Im Straßenverkehr ist man einer Fülle unwägbarer Gefahren und Widrigkeiten ausgesetzt, welche nicht immer vorhersehbar sind, wie folgende Polizeimeldung vom 7.12.2016 zeigt:

„Hohn / Kreis RD-ECK. Bei einem Verkehrsunfall auf der L 39 zwischen Tetenhusen und Hohn wurde heute Früh (07.12.16, gegen 7 Uhr) ein 13-jähriger Radfahrer schwer verletzt. Ein Rettungswagen brachte den Jungen in die Imlandklinik nach Rendsburg. Nach ersten Feststellungen der Polizei war der Fahrer (18) eines VW Passat mit Fahrtrichtung Hohn nach einem Überholmanöver nach rechts eingeschert und hatte den in gleiche Richtung fahrenden Radfahrer übersehen. Durch den Aufprall wurde der Radfahrer mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Andere Verkehrsteilnehmer leisteten Erste Hilfe. Der 18-Jährige und seine 13-jährige Beifahrerin erlitten einen Schock. Der Sachschaden wird auf rund 2500 Euro geschätzt.

Sachschaden 2500 €. Das menschliche Leid, das damit angerichtet wurde, kann leider nicht beziffert werden. Dieses Leid betrifft alle am Unfall beteiligten. Das Unfallopfer, wie auch den Fahrer und dessen minderjährige Beifahrerin. Von eventuell bleibenden Schäden jedweder Art ganz zu schweigen.

Ebay: Mindestgebot nicht erreicht

 

Mit diesem „Feature“ fährt Ebay seine Versteigerungsplattform an die Wand! Der Verkäufer kann beim Einstellen seines Angebots einen Mindestpreis festlegen, welcher nicht angezeigt wird.

Interessenten verschwenden damit ihre Zeit mit der Abgabe von Geboten, weil eine Versteigerung ja bisher implizierte, dass man das Objekt des Interesses zu einem günstigen Kurs bekommen könne. Wenn im Falle des Artikelfotos gleich der Wunschpreis des Verkäufers von stattlichen 3100 € da gestanden hätte (das höchste Gebot lag am Endemit 1.827,17 € weit darunter), welcher der Bieter, die sich chancenlos Hoffnung gemacht haben, hätte da noch geboten? Fazit: Die Bieter haben mit dem betreffenden Angebot ihre Zeit vergeudet.

Aus Sicht der Verkäufers eliminiert dies sein Risiko, unter Wert verkaufen zu müssen. Aus Sicht des Interessenten lässt sich eine Auktion nicht mehr von einem Festpreis- oder Mindestpreisangebot unterscheiden, mit dem Unterschied, dass er den Mindestpreis nicht kennt und viel Zeit aufwenden muss, um ihn zu erfahren. Warum unter solchen Umständen überhaupt noch bieten?

Der Umstand, dass dem Verkäufer durch den geplatzten Verkauf Kosten entstehen, ohne etwas verkauft zu haben, kann den unter umständen vielen potentiellen Käufern auch kein wirklicher Trost sein. Nur Ebay macht damit ein Geschäft.

Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis Ebay dieses „Feature“ wieder zurück nimmt. Wenn es sich größere Beliebtheit bei den Versteigerern erfreut, wird Ebay damit zu einer reinen Verkaufsplattform unter vielen gepaart mit besonders schlechten Konditionen für die Käufer, welche eine Woche warten müssen, bis sie den wahren (Mindest-) Preis erfahren.

Big Brother – jetzt gratis aushorchen lassen

Da mein Lieblings-PDF-Reader, Foxit, bei PDFs von E-Mailangängen dauernd abstürzte und auch ein Update keine Besserung brachte, habe ich kürzlich wieder den Adobe PDF-Reader installiert. Ungefragt wurde gleich wieder ein Mac Affee-Virenscanner und ein Programm von Intel Namens „True key“ installiert.

Nun habe ich mal nachgeschaut, was das eigentlich ist. Ganz toll! Nie wieder Passworte merken müssen! Das Programm ist kostenlos, Du meldest Dich künftig mit Deinem Gesicht, Deinem Fingerabdruck an! Das System lernt all Deine biometrischen Merkmale und vieles mehr, sowie alle Deine Geräte kennen! Das muss einen bei einer kostenlosen App doch stutzig machen. Wenn man bedenkt, dass die USA die Bilder der Hälfte ihrer Bürger ungefragt in eine Gesichtserkennungsdatenbank eingespeist hat (Heise News 20.10.2016), erscheint die Erfassung diverser biometrischer Merkmalen von Bürgern der ganzen Welt nur noch als logische Konsequenz. Wenn diese Daten vielleicht nicht unmittelbar an die NSA weiter gegeben werden, so kann man doch zumindest damit Geld verdienen oder diese zur Terrorabwehr beschlagnahmen lassen. Gretchenfrage: Wie viele Terroristen werden diese Software nutzen?

Immer wieder die selbe Lehre: Wer US-Firmen sein persönlichen Daten anvertraut, ist selber schuld. Oder ins gewissen zu reden: Passwörter sollen es gerade ermöglichen, seine Daten zu schützen. Wer darauf verzichtet, gibt diese Schutzmöglichkeit auf.

TTIP & CETA, die faktische Abschaffung der parlamentarischen Demokratie

ttip & ceta und Gewaltenteilung
Juristin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD) erläutert den Unterschied von TTIP und CETA im Vergleich mit herkömmlichen Freihandelsabkommen auf Youtube:

Knachpunkt von TTIP und CETA ist die Investitionsschutzklausel ISDS, welche möglicherweise darin enthalten ist – wie wir wissen, sind die wahren Inhalte ja geheim (Greenpeace in den Niederlanden veröffentlicht auf der Plattform ttip-leaks.org einige Dokumente). Wenn nur noch Vertreter amerikanischer und kanadischer Schiedsgerichte nach Maßgabe der Profitmaximierung von Großunternehmen entscheiden und dabei demokratisch gewählte Parlamente und Gesetzgebungen überstimmt bzw. horrende Schadensersatzzahlungen verlangen dürfen, ist meiner Einschätzung nach zu erwarten, dass langfristig einige Länder die EU verlassen, um diesen Abkommen zu entgehen und die staatliche Souveränität zurück zu bekommen. Das wäre langfristig das Ende der EU.

Wie sieht die Stimmung im Ausland aus? In Frankreich, Österreich und den Niederlanden regt sich wie in Deutschland Widerstand. In Skandinavien ist man sich uneins und in Italien ist das öffentliche Interesse kaum ausgeprägt, bzw. fehlt ganz (Polen und Spanien).

Leider gibt es wenig Anlass zu Optimismus. Dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ist nach Jahren der Verhandlung mit den USA nun doch ’schon‘ aufgefallen, dass die USA mit der EU gar nicht verhandeln will (Der Spiegel am 29.08.2016), sondern TTIP ohne Kompromisse einfach diktiert (ein Vorgeschmack auf das, was m. E. nach der Unterzeichnung käme). Die CDU hält weiterhin an TTIP fest. CETA findet noch die Zustimmung beider Parteien.

Am 17.09.2016 finden bundesweit in verschiedenen Großstädten (Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart) Demonstrationen gegen TTIP statt; näheres unter http://ttip-demo.de/).

Näheres zu den Inhalten der teilweise schon unterschriebenen Abkommen (CETA) kann dem ebenfalls auf Youtube veröffentlichten Interview mit dem Ökonomen Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger entnommen werden:

Unverständlich …

Diese ganze Problematik ist den Politikern doch auch geläufig. Die sind doch nicht dumm. Warum werden so schwerwiegende Einwände der Bevölkerung und von Experten einfach so übergangen und für unwichtig erklärt? Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, als dass die beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Klagen (z. B. Meldung auf Heise.de: 125.000 unterstützen Verfassungsbeschwerde gegen Ceta) erfolgreich sein werden.

Glossar

TTIP = Transatlantic Trade and Investment Partnership; Abkommen mit den USA
CETA = Comprehensive Economic and Trade Agreement; Abkommen mit Kanada
ISDS = Investor-state dispute settlement; Investitionsschutzklausel (Wikipedia)

Onlineshop ohne Umsatz? Schlechte Erfahrung mit CSL Computer

Fast eine Stunde lang habe ich heute Morgen erfolglos versucht im Onlineshop von CSL Computer Hard- und Software im Gesamtwert von ca. 1000 € zu bestellen. Immer wenn es in die heiße Phase im Gang zur Kasse kam, poppte eine JavaScript-Meldung auf, welche mich darauf hin wies, dass der Bestellvorgang zu lange gedauert hätte und schickte mich auf die Startseite des Portals.

Etwas Zeit benötige ich schon, um die einzelnen Komponenten wieder raus zu suchen und in den Warenkorb zu legen. Zum Ende hin, muss ich nochmal alles kontrollieren, um sicherzustellen, dass ich nicht – wie fast geschehen – versehentlich ähnliche, aber verkehrte Produkte ausgewählt habe. Wenn dafür keine Zeit bereit gestellt wird, kann man eben nichts bestellen. Gut möglich (ich habe das nicht getestet, kenne das Problem aber von anderen Portalen), dass es nicht funktioniert, wenn man keinen Browser von Microsoft benutzt; ich benutze nun mal lieber den Firefox-Browser. Schlussendlich versuchte ich es bei der Hotline von CSL, aber während ich in der Warteschleife die Pausenmelodie anhören musste, schaute ich schon mal, ob es vergleichbare Komponenten auch bei Alternate zu vertretbaren Preisen gäbe. Als ich alle Wunsch- und Alternativprodukte beisammen hatte und der Endpreis stimmte, legte ich bei CSL auf und bestellte erfolgreich und problemlos bei Alternate.

So geht man leer aus, wenn man Kunden nicht an sich heran lässt.

Ebay macht keinen Spaß mehr

Nach dem ich einen alten Arbeitsspeicher 4 GB SO-Dimm DDR3 bei Ebay mit für ein Mindestgebot von 3 € eingestellt hatte, wurde das gute Stück schlussendlich für 7,50 € verkauft. Ebay hatte selbstständig die Versandkosten auf 2,40 € festgelegt, die wahren Kosten liegen darüber. So sieht die wahre Rechnung aus:

+7,50 Kaufpreis
+2,40 € Versandkosten (lt. Ebay)
-3,95 € Echte Versandkosten für Einschreiben
-0,54 € Paypalgebühr
-0,75 € Ebaygebühr
---------------------------------------
4,66 € Nettoertrag

Dafür lohnt es kaum zur Post zu radeln u.s.w. Da kann ich ja gleich Pfandflaschen sammeln gehen. Das liegt deutlich unterm Mindestlohn. Wenn ich mal wieder einen Speicherriegel oder ähnliches übrig habe, ist die Bastelkiste der richtige Ort dafür oder ich verschenke ihn.

[REZENSION] Nahlah Saimeh: Jeder kann zum Mörder werden

Nahlah SaimehIch nehme die Antwort auf diesen Titel vorweg: Er ist nicht so gemeint, dass jeder dazu in der Lage ist, bedingungslos irgendjemanden umzubringen. Mit „jeder“ ist gemeint, dass man unschuldig in so eine Situation kommen kann, weil man z. B. geisteskrank werden kann, was aber auch nicht jeder ohne weiteres werden kann. Es gibt neben genetischer Disposition traumatisierende Umstände, welche dies begünstigen. So gesehen ist der Titel in meinen Augen nicht ganz richtig gewählt. Möglicherweise hat ihn der Verlag vorgegeben.
Dieses Buch reiht sich nicht nahtlos in die Reihe thematisch ähnlicher Bücher ein, wie sie von anderen Autoren zum True crime-Themenkomplex bekannt sind. Ich denke, die Autorin wollte ihre Arbeit als forensisch-psychiatrische Gutachterin im gesamtgesellschaftlichen Kontext darstellen. Darum ist dies nicht einfach der erste Band einer Serie, sondern steht abgeschlossen für sich.

Das Buch liest sich nicht spannend wie ein Krimi, sondern spannend in der Sache. Anhand stark verfremdeter Beispiele aus ihrer Praxis erläutert sie die Straftaten und wie sie den gefassten Täter später untersucht. Es wird erklärt, was der Täter getan hat. Anschießend schildert sie dessen Befragung im Rahmen ihrer Tätigkeit als Gutachterin. Persönlichkeitsmerkmale, Hintergründe und manchmal eigefügte Exkurse zeichnen ein rundes Bild der meist komplizierten Problematik eines jeden Falls. Letztendlich diskutiert sie auch die jeweilige Diagnose und auch, wie schlussendlich das Urteil des Gerichtes ausfiel.

Sprüche, wie: „Ja klar, der wird nicht verknackt, denn seine Muttermilch war sauer“, kennt sicher jeder. So eine pauschale Vereinfachung forensischer Begutachtung, kann nicht weiter ernst genommen werden. Dieses Buch hilft dem Leser, Fälle, wo ein Straftäter z. B. eine schwere Kindheit hatte, in welcher er verwahrlost aufgewachsen ist, differenzierter zu betrachten. Diese Betrachtung führt nicht unbedingt immer zu dem Schluss der Schuldunfähigkeit. Der Leser lernt, dass hier keinesfalls nur mit Schablonen gearbeitet wird, sondern jeder Fall sehr individuell beleuchtet werden muss und wird.

Sehr klar kommt heraus, dass ein Täter von mehreren Instanzen einzeln beurteilt wird. Zuerst von der Kripo, von bestellten Gutachtern und schlussendlich vom Richter und seinen Schöffen. So schrecklich die Taten im Einzelfall sind, so ist es doch richtig, Täter, welche auf Grund einer Geisteskrankheit töten, nicht Mördern (z. B. aus Habgier) gleichgestellt werden dürfen; sie sind krank und sind daher therapiebedürftig. Die Schwierigkeit, dass einzelne Straftäter versuchen, ihre bewusst ausgeführten Taten als Taten im Irresein darzustellen, wird von den Gutachtern durchaus gesehen und auch überprüft. In der Regel dauert aber die Behandlung in der Psychiatrie länger als eine Gefängnisstrafe. Falls der Täter überhaupt als geheilt entlassen werden kann.

Ganz bewusst stellt die Autorin keine Fälle von Serienmördern dar, weil sie meint, dass dies eine sehr geringe Minderheit unter den Fällen beträfe. Das finde ich trotzdem schade, weil gerade dies die Fälle sind, die der Allgemeinheit besonders irrational vorkommen. Und weil auch bekannt ist, dass einige dieser Serienmörder in der forensischen Psychiatrie Eickelborn untergebracht sind, deren Direktorin die Autorin ist.

Immerhin wird der Omamörder von Bremerhaven,Olaf Däter, in ihrem Buch verfremdet als Bernd Zietenbach im Kapitel „Der Uhrenliebhaber“ detailliert behandelt.

Es bleiben aber auch Fragen offen. Z. B. wie man die Allgemeinheit vor solchen Tätern besser schützen kann, bevor sie morden. Darauf gibt es keine Pauschalantwort. Diese Fragen werden an die Öffentlichkeit weiter gereicht. Es ist der  einzelne im Umgang mit seinen nächsten gefragt, genauso wie die gesellschaftlichen Institutionen, die vielleicht deutliche Aggressionsanzeichen bei Frauen zu wenig beachten (Kapitel „Vergewaltigungsprogramm“).

Dieses Buch möchte ich auf jeden Fall empfehlen! Es bot zumindest mir neue Einsichten in eine komplexe Materie.