Weniger Parkmöglichkeiten für die Bewohner Lübecks

Parken auf dem Gehweg in der Morkerkestraße (St. Jürgen)

Vielfach zugeparkte Gehwege in St. Jürgen und anderen Stadtteilen. Hier Morkerkestraße.

Seit Anfang 2014 wird die Stadt Lübeck das Parken auf dem Gehweg nicht mehr tolerieren

Zu dem Thema erschienen bereits einige Artikel in den Lübecker Nachrichten (LN). Im Internet-Portal hl-live.de gehen die Meinungen darüber auseinander.

Hintergrund sind einerseits massive Probleme von Feuerwehr und Müllabfuhr in eng beparkten Straßen und andererseits zunehmende Beschwerden von Bürgern über zugeparkte Gehwege. Im Verkehrsausschuss der Stadt Lübeck wurde daher beschlossen, Gehwegparken nicht länger zu tolerieren.

Jahre lang hat die Stadt das Beparken von Gehwegen toleriert, während die Polizei immer mal wieder das Parken auf dem Gehweg ahndete. Im Gegensatz zu dem Bericht in den LN vom 4.1.2014 kostet dies nicht 15 € Bußgeld, sondern 20 € Verwarngeld. Ein Bußgeld wird erst erlassen, wenn der Betroffene sein Verwarngeld nicht zahlt. Der Bußgeldbescheid ist nicht kostenlos, sondern da kommen zum Verwarngeld noch weitere 20 € Gebühr und Porto hinzu; das macht summa summarum ca. 43 €.

Wie geht man mit dieser Entwicklung konstruktiv um? Schließlich wird das Gehwegparken nicht plötzlich verboten, sondern ist schon immer verboten gewesen. Die Entwicklung auf dem Automarkt geht – für mich unverständlicherweise – in Richtung immer größerer Fahrzeuge mit immer größeren Motoren. Die Stadt kann sich dieser Entwicklung nicht anpassen. Auch ein Zweitauto ist heute vielfach nichts extravagantes mehr. Ein weiteres Problem ist der demographische Wandel; es gibt immer mehr Menschen, die einen Gehwagen vor sich hin schieben oder auf anderweitige Gehhilfen angewiesen sind. Da kommt es auf zugeparkten Gehwegen immer mehr zu Problemen.

Einen geeigneten Parkplatz zu suchen, liegt grundsätzlich in der Verantwortung des Autofahrers. Der imperative Anspruch einiger Autofahrer, die Stadt müsse nun weiteren Parkraum schaffen, geht fehl. Die Stadt hat vielmehr dafür zu sorgen, dass die Belange der schwächeren Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, besonders älterer) nicht weiter beeinträchtigt werden. Ebenso hat sie dafür zu sorgen, dass die Verkehrswege für Feuerwehr und Müllabfuhr problemlos durchlässig sind.

In der Altstadt wird das Parken auf dem Gehweg schon seit Jahren unterbunden. Ohne dass es zum Parkinfarkt kommt.

Parken in der Altstadt, hier Hundestraße

Parken in der Altstadt klappt auch ohne zugeparkte Gehwege (Hundestraße)

Es wird nicht möglich sein, kurzfristig neue Parkmöglichkeiten anzubieten. Die Eskalation der Parkverhälnisse in Lübeck geht aber eindeutig aufs Konto der Fahrzeuginhaber. Wer sein Auto nicht täglich benötigt, sollte darüber nachdenken, ob Carsharing für ihn eine Option sein könnte. Hier in Lübeck gibt es die Genossenschaft Stattauto, welche nicht nur in der Alstadt Autostationen unterhält, sondern zunehmend auch in Außengebieten (z. B. Falkenstraße, Hüxtertorallee u.s.w.).

Beim Carsharing hat man keine Parkplatzprobleme, hat immer ein technisch einwandfreies Fahrzeug, braucht sich nie mehr um Bereifung, Werkstattkosten, Steuern und Versichtung fürs Auto sorgen. Ich kann das persönlich bestätigen, denn ich habe mein Auto vor Jahren abgeschafft und bin zu Stattauto gewechselt. Seit her habe ich nicht nur ein "Sorgenkind" weniger, sondern auch viel mehr Geld für anderes.

Ich hoffe sehr, dass nun Veränderungsprozesse in Gang kommen, welche vernünftige Lösungen nach sich ziehen. Vor allem zukunftsweisende Verkehrskonzepte und bessere Lösungen für den Individualverkehr (z. B. das Lübecker Pendler-Portal). Der ungebremste Zuwachs an Autos und die gut meinende Tolerierung verkehrswidrigen Parkens über Jahre hat einen Zustand herbeigeführt, welcher heute nicht mehr tragbar ist, weil die Rechte dritter damit verletzt werden.

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Posted under: Autoverkehr, Stadtgeschehen Lübeck

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