Chaos: Impfterminvergabe in SH

Am 20.5.2021 wurden über das Portal http://impfen-sh.de/ 75.000 Impftermine für die Prioritätsgruppe 3 angeboten. Als ich mich um 18:00 Uhr dort einloggte, waren 575.508 Leute vor mir dran – wie kann das sein? SH hat nach aktueller Statistik (Statistisches Landesamt HH & SH) derzeit 452.205 Einwohner über 60, die bisher geimpften über 70-jährigen abgezogen, sogar nur 188.214 Menschen.

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387.294 mehr Wartende eingeloggt als Menschen über 60 in SH (188.214)

Wenn man davon aus geht, dass sich nicht jeder einloggen kann, muss man sich fragen, wie ein Überhang von 205 % zustandekommen kann! Hat SH denn so viele chronisch kranke? OK, Diabetiker sind auch in dieser Gruppe, wie Leberkranke usw., sowie Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr und Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel. (Bundesregierung: Impfpriorisierung)

Ich habe die Anmeldung die ganze Nacht durchlaufen lassen. Am 21.05. um 8:10 Uhr waren „nur“ noch 38.835 vor mir dran, der große Rest hatte schon aufgegeben. Um 8:30 Uhr erfolge dann die Meldung, dass alle 75.000 Impftermine vergeben seien. Wozu dieser entwürdigende Umgang mit Menschen, welche durch diese Krankheit in Lebensgefahr geraten können?

Kann man nicht Landkreis für Landkreis, die Landkreise der höchsten Inzidenz zuerst, die Menschen der Prioritätsgruppe anschreiben und einen Impftermine vorschlagen, welcher binnen einer Woche online, per Telefon oder Brief bestätigt werden muss bevor er anderen angeboten wird? Daneben gibt es ja noch die Möglichkeit, sich beim Hausarzt auf die Warteliste setzen zu lassen und zusätzlich noch eine über die Kassenärztliche Vereinigung SH: https://www.praxisimpfliste-sh.de (leider machen da nicht viele Praxen mit).

Über meinen Arbeitgeber hätte ich als systemrelevanter Mitarbeiter beinahe einen Impftermin über ein Sonderkontingent bekommen können, aber ich bekam ihn nicht, weil ich der Prioritätsgruppe 3 angehöre, die jetzt einen Impftermin bekommen kann. So lange dafür aber wesentlich weniger Impfdosen verfügbar sind, als Impfberechtigte vorhanden ca. 100.000 Impfdosen bisher, bei rund 190.000 Berechtigten, beträgt die tatsächliche Chance derzeit nur 50 %. Wenn es einschließlich aller chonisch Kranker der Prioritätsgruppe 3 tatsächlich 600.000 berechtigte gibt, dann bestand bisher nur eine Chance von 1:6, also17 %.

Covid19 Todesfälle in SH (Stand: 21.05.2021). Quelle: RKI Dashboard

So werden auf diese Weise wohl meine jüngeren Kollegen geimpft, obwohl sie nur einen milden Verlauf zu befürchten haben. Ein seltsames Verständnis von Schutz systemrelevanter Mitarbeiter.

Laut Bundesregierung sollab dem 7.6.2021 die Impfpriorisierung ganz entfallen(Bundesregierung: Impfpriorisierung). Von da an beträgt die Chance für über 60-jährige in SH dann 190.000 zu 2.851.000, also 190/2.851, bzw. 7 %.

Ob man das dann noch eine reale Chance nennen möchte? Ich bin zumindest sehr enttäuscht. Wenn ich bedenke, wie viel Monate Zeit man sich nahm, die 264.000 über 70-jährigen in SH zu impfen, von denen ein großer Teil über Altenheime schnell gemeinschaftlich geimpft werden konnten, da bezweifle ich sehr, dass es möglich ist, binnen 5 Wochen die Priotitätsgruppe 3 durchzumpfen, wenn binnen 3 Wochen nur 17 % geimpft werden konnten.

Update

Eben gerade hörte ich in den Abendnachrichten um 19:30 Uhr im Schleswig-Holstein-Magazin (NDR) den schleswig-holsteinischen Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sich folgendermaßen äußern: Diese Form der Terminvergabe wird aufgegeben; von nun an gibt es die Möglichkeit, sich online zu registrieren. Man bekommt dann per E-Mail einen Impftermin vorgeschlagen.

Offensichtlich haben auch andere erkannt, dass die bisherige Form der Vergabe nicht angemessen war.