Falkenwiese, wieviel Parkraum? – Korrigierte Zahlen!

Ab 18 Uhr Mo-Fr freies Parken, ebenso Sa & So

In der Falkenstraße vor der alten Stadtschule darf Mo-Fr ab 18 Uhr, sowie Samstags und Sonntags ganztägig geparkt werden

Wie viele Parkplätz gibt es eigentlich im Quartier Falkenstraße? Wovon reden wir?

Bei meinem ersten Artikel zu dem Thema hatte ich vergessen, das Wakenitzufer mit zu zählen. Das ist wohl das Los, wenn ein neues Blogg noch weitgehend unbekannt ist und keine Fans hat, die auf solche Fehler aufmerksam machen. Ebenso liegen die mit gezählten vermeintlich im eingeschränkten Halteverbot (Zeichen 286) liegenden Parkplätze im Bleichenweg in Wirklichkeit außerhalb des Zeichen 286 – ich hatte das End-Schild übersehen. Dadurch ergibt sich ein noch rosigeres Bild für die Bewohner des Viertels. Die im Rahmen der ersten Erhebung ermittelten Parklätze müssen in nicht unerheblichem Maße nach oben korrigiert werden. Man kann davon aus gehen, dass über 1120 echte Parkplätze vorhanden sind. Weitere 167 Parkplätze stehen im erweiterten Umfeld zur Verfügung (auf Moltkebrücke und Kanalstraße Parkplatz 2).

Immer wieder kursieren Zahlen von 750 oder 800 Parkplätzen, von denen die Hälfte weg fallen würde. Der Bausenator Boden, der es eigentlich besser wissen müsste, sprach auf der Bewohnerversammlung der SPD am 14.1. von 408 vorhandenen Parkplätzen. Das wüsste ich gern, wie diese Zahl zustande kommt.

Für eine sachliche Diskussion sollte man korrekte Zahlen parat haben. Darum habe ich durchgezählt, um den real verfügbaren Parkraum zu ermitteln. Berücksichtig habe ich den Bereich zwischen den Straßen An der Falkenwiese bis zur Moltkestraße (hier nur den Parkraum auf der Fahrbahnseite dieses Viertels), sowie die komplette Falkenstraße.

Folgendermaßen habe ich gezählt: Ich habe die real parkenden Autos gezählt. Egal ob Smart oder Wohnmobil mit Anhänger. Leere Parknieschen habe ich ebenso mit gezählt wie Einfahrten, vor denen geparkt wurde. Nicht berücksichtigt habe ich freigehaltene Einfahrten und private Parkplätze auf Grundstücken und Garagenhöfe oder Tiefgaragen. Illegale Parkplätze (Kreuzungsbereich, absolutes Halteverbot, Feuerwehrzufahrt, eingeschränktes Halteverbot) wurden nicht als Parkplätze erfasst. Separat gezählt habe ich Schwerbehindertenparkplätze und gemäß StVO illegale Parkplätze auf dem Gehweg, weil diese hier ja Gegenstand der Diskussion sind.

Ergebnisse

Die Summe der Gehweg-"Parkplätze" beträgt nach meiner Zählung 280 von insgesamt 1402 erfassten Flächen; das ergibt 20 % und nicht 50%. Der drohende "Parkplatz"-Verlust ist damit deutlich geringer als halb so hoch, wie diskutiert wird. Eine Dunkelziffer an Stellplätzen auf Privatgrundstücken inklusive Tiefgaragen und Garagenhöfen schafft nicht zu beziffernde zusätzliche Entlastung.

Straßenname R GW AG 19 h Gesamt
An der Falkenwiese 52 51 1   104
Attendornstraße 51 49 1   101
Travelmannstraße 49 51     100
Percevalstraße 55 51     106
Reiherstieg 52 42     94
Morkerkestraße 44 36     80
Pelzerstr 44       44
Falkenstraße 30     95 125
Obere Falkenstraße bis Avia 102     37 139
Falkenplatz 30       30
Blanckstraße 59       59
Dorotheenstraße 42       42
Bleichenweg 40       40
Wakenitzufer 277       277
Moltkestraße (zum Viertel hin) 54   1   55
Hüxtertorallee 6       6
           
Summen 987 280 3 132 1402
Legale Parkplätze 987   3 132 1122

Legende: R=reguläre Parkplätze, GW=benutzte Gehwege, AG=Schwerbehindertenparkplätze, 19 h=in der Falkenstraße Werktags ab 19 Uhr und Sonntags ganztägig nutzbare Parkplätze einschließlich der Parkplätze vor der alten Stadtschule, wo schon ab 18 Uhr geparkt und neben Sonntags auch Samstags ganztägig geparkt werden darf.

Es sei nochmal explizit darauf hingewiesen, dass es in dem Viertel auch Tiefgaragen, Garagenhöfe und private Stellplätze auf privaten Grundstücken gibt, die in diese Zählung nicht eingeflossen, aber natürlich einigen Bewohnern zur Verfügung stehen. Die absolute Zahl vorhandenen Parkraums liegt also definitiv über den von mir ermittelten Zahlen.

Im erweiterten Umfeld des Viertels stehen auf der Moltkebrücke 17 weitere Parkplätze und in der Kanalstraße auf Parkplatz 2, der nur in der Vorweihnachtszeit ausgelastet ist, sogar 150 weitere Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Vom Parkplatz 2 der Kanalstraße sind es 5 Minuten bei gemäßigtem Gang bis in die Attendornstraße Ecke Morkerkestraße. So sehr schlecht steht das Viertel also gar nicht da! Die Parkmöglichkeiten im Nahbereich des Viertel haben genügend Kapazität, den Wegfall von Gehweg-"Parkplätzen" vollständig aufzufangen.

Viel mehr noch, die nun weg fallenden Gehweg-"Parkplätze" würden zugleich die dort existierenden eingeschränkten Halteverbote frei machen und es jedem Bewohner ermöglichen, größere Einkäufe in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung auszuladen und anschließend das Fahrzeug in der Nähe regelkonform zu parken. Vom Einhalten der Verkehrsregeln würden schlussendlich alle profitieren; selbst die Autofahrer.

Fallstudie: Parken nur auf einer Seite

Fotomontage: Parken nur auf einer Seite

Fotomontage: Parken nur auf einer Seite. Der Gehweg auf Seite des eingeschränkten Halteverbotes ist frei. (Bildquelle: google)

Wie änderten sich die Verhältnisse, wenn nur auf einer Seite geparkt würde?

An der Parksituation schon mal nichts wesentliches, da der diskutierte besondere Parkdruck gar nicht existiert, wie ich zeigen konnte (siehe Artikel:Fallstudien Bewohnerparkrecht und Falkenwiese, wie viel Parkraum?). Genügend Parkplätze sind also vorhanden und maximal 10 Gehminuten entfernt. Abends, wenn der Parkdruck zu nimmt (die Leute kommen von der Arbeit) darf ab 19 Uhr in nahezu der gesamten Falkenstraße geparkt werden. Ebenso stehen ab 18 Uhr kostenlose Parkplätze auf dem Parkplatz 2 in der Kanalstraße zur Verfügung (5 Gehminuten entfernt). Es stehen also zusätzliche Ressourcen zur Verfügung.

Welche Effekte hätte diese Regelung noch?

Stau: Der Menübringdienst macht die Straße dicht

Stau: Der Menübringdienst macht die Straße dicht. Zum Glück muss nicht der Rettungswagen durch.

Jegliche Form von Lieferverkehr von Paketdiensten über den Bofrostlieferanten, Pizzalieferer oder Menübringdienst, alle könnten kurz im eingeschränkten Halteverbot halten und ihre Ware ausliefern. Ohne die Straße dicht zu machen. Die Feuerwehr hätte genügend Raum für ein möglicherweise notwendiges Einsatzgeschehen. Ebenso könnte die Müllabfuhr ihren Zeitplan einhalten (Artikel: Kurzmeldung Attendornstraße).

Bewohner, die ihren Wochenendeinkauf gemacht haben, können nahe ihrer Wohnung alles in Ruhe im eingeschränkten Halteverbot ausladen, alles ins Haus bringen und anschließend das Fahrzeug an einem geeigneten Parkplatz parken.

Fahrräder am Zaun

Keine verengten Gehwege mehr.

Am Zaun angeschlossene Fahrräder oder aufgehängte Gelbe Säcke würden den Gehweg nicht mehr nennenswert verengen. Begegnungsverkehr von Fußgängern wäre künftig wieder möglich.

Insgesamt würde das Stadtbild aufgewertet, weil die Autos nicht mehr so massiv das dominierende Element auf der Straße wären. Von der geänderten Situation würden alle Bewohner profitieren. Ausdrücklich auch die Autofahrer.

Man könnte das Viertel mit seinen wundervollen Gründerzeithäusern wieder unbeschwert genießen. Ebenso die schöne Aussicht über die Wakenitz.

Unbeschwerter Wakenitzblick

Die Wakenitz im Januar 2014 in Blickrichtung Roeckstraße

Fallstudie: Bewohnerparkrecht an der Falkenwiese

Es ist bekannt, dass das Quartier Falkenstraße (Falkenwiese) regelmäßig legal von Dritten genutzt wird (z. B. solchen, die in der Altstadt arbeiten). Wahrscheinlich um die Gebühren für die Parkplatzbenutzung an der Kanalstraße zu sparen. Wie ausgeprägt dieses Phänomen ist, entzieht sich meiner Recherche. Gehen wir mal davon aus, das sei ein signifikantes Ausmaß. Wie könnte man ein Bewohnerparkrecht umsetzen, ohne die funktionellen Aufgaben des Gebietes zu beeinträchtigen?

Welche funktionellen Aufgaben hat das Gebiet?

  1. Wohnquartier
  2. Naherholungsgebiet (Wakenitzufer, Schulgarten, Zugang zum Wanderweg)
  3. Gastronomie (Ghandi, Yachtclub)

Das protektionistische Anliegen der Bewohner bezieht sich auf das Parken im Quartier. Das Interesse der Besucher aus anderen Stadtbereichen, fokussiert sich auf die Grünanlage mit Spielplatz, das Ufer mit der Liegewiese und den Schulgarten. Besucher der Sportstätten berücksichtige ich nicht, denn die Sportanlage hat eigene Parkplätze. Trotzdem ist bekannt, dass auch Besucher der Sportstätten im Quartier parken.

Folgende Lösungen halte ich für denkbar:

  1. Anlage eines weiteren Schwerbehindertenparkplatz An der Falkenwiese in Nähe des Schulgartens, um älteren Menschen den Zugang zu erleichtern
  2. Den Parkstreifen (Zeichen 315) vor dem Wakenitzufer für den Bereich, in dem Querparken angeordnet ist, neu beschildern in Parken mit Parkscheibe für 2 oder 3 h mit Zeitfester 9-18 Uhr. Außerhalb des Zeitfensters dort freies Parken, damit auch mal Besucher der Bewohner in der Nähe parken können.
  3. Bewohnerparkzone für die Straßen Morkerkestraße, An der Falkenwiese, Attendornstraße, Travelmannstraße, Percevalstraße, Reiherstieg und Pelzerstraße. Eventuell auch Falkenplatz.
  4. Im Nahbereich der Gastronomie könnte man das wasserseitige absolute Halteverbot am Wakenitzufer teilweise um ein freies Gehwegparken halb längs (Z.315) erweitern. Dort parken Gäste jetzt sowieso oft.

Seitens des Koordinierungsbüros Wirtschaft Lübeck (KWL) sollte den Dauerparkern auf den Parkplätzen in der Kanalstraße ein akzeptables Dauerparkangebot gemacht werden, um den Verdrängungsdruck zu mindern (z. B. für 30 €/Monat).


Ergänzung:

Ich habe am Dienstag Mittag einmal durchgezählt, wie viele Fahrzeuge auf dem Gehweg parken und wie viele freie Parkplätz zeitgleich innerhalb von 10 Gehminuten erreichbar sind.

Wochentagserhebung freier Parkraum    
Dienstag 12:15 bis 13:15 Uhr    
     
Straße freie Pp. bep. Gehweg
Falkenstraße (oberer Teil) 43  
Falkenstraße 12  
An der Falkenwiese 11 41
Attendornstraße 9 34
Travelmannstraße 5 28
Percevalstraße 1 44
Reiherstig 6  
Pelzerstraße 12  
Morkerkestraße 11 25
Falkenplatz 1  
Wakenitzufer 68  
     
Summen 179 172

Ergebnis

172 Fahrzeuge parkten auf dem Gehweg, 179 freie Parkplätze waren innerhalb von 10 Gehminuten erreichbar.

Über 73 % davon im direkten Nahbereich, das heißt innerhalb des Quartiers. Das bedeutet zugleich, dass die meisten dieser freien Parkplätze innerhalb deutlich weniger als 10 Gehminuten erreichbar gewesen wären.

Ich kann weder ein Problem mit "Fremdparkern" noch irgend ein anderes Parkplatzproblem für dieses Viertel erkennen, das nur den Ausweg zu lässt, dass Fahrzeuge auf den Gehwegen geparkt werden müssen.

Die einzigen Probleme die es dort gibt, resultieren aus verkehrswidrigem Parken.

Selbstregulation des Parkens auf der Falkenwiese

Parken im Halteverbot: Falkenstraße

Das absolute Halteverbot in der Falkenstraße ist am Samstag nahezu voll geparkt

In den Kommentaren der Seiten der Bürgerinitiative www.parken-falkenwiese.de melden sich Bürger zu Wort, welche hervorheben dass sich das Parken im Quartier Falkenstraße (Falkenwiese) über die Jahre sehr gut selbst reguliere. Ob das stimmt, möchte ich anhand eines Schnappschusses meiner Begehung am Samstag, dem 11.01.2014 zur Diskussion stellen.

Simon Cray schrieb am 9.1. (Link):

„Es kann nicht sein das etwas was über Jahre hinweg funktioniert hat auf einmal ohne die Schaffung von echten Alternativen abgeschafft wird. Sicherlich muß den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer Rechnung getragen werden, nichts desto trotz bin ich der Meinung das in den allermeisten Fällen mehr als ausreichend Platz für Gehwagen und Kinderwagen vorhanden ist, auch bei beidseitiger Beparkung der Gehsteige.“

und Wolfgang Weidt am 10.1. (Link):

„Ich bin immer wieder überrascht, wie trotz prekärer Parkverhältnisse, die Bürger auch ohne Gängelei einer Behörde, sich intuitiv erstaunlich gut organisieren. Es sind mir keine Fälle bekannt, wo es zu echt unüberwindbaren Problemen gekommen wäre.“

Mein Befund

Ungezählte Fahrzeuge im absoluten Halteverbot vor allem in der Falkenstraße, wo von Montags bis einschließlich Samstags (also werktags) zwischen 15 und 19 Uhr ein absolutes Halteverbot gilt. Weitere Halteverbotsmissachtungen auf der gegenüber liegenden Straßenseite (absolutes Halteverbot werktags 7-19 h) und im Viertel selbst (Falkenplatz, Pelzerstraße und Wakenitzufer).

Fahrzeug im absoluten Halteverbot am Falkenplatz

Ein Fahrzeug im absoluten Halteverbot am Falkenplatz. Auch dieses Fahrzeug steht teilweise auf dem Gehweg.

Drei Fahrzeuge in 5m-Bereichen an Kreuzungen und Einmündungen (Morkerkestraße, Travelmannstraße und Wakenitzufer), ein Fahrzeug vor einer Feuerwehrzufahrt.

Fahrzeug im 5m-Bereich in der Morkerkestraße

Fahrzeug im 5m-Bereich in der Morkerkestraße. Bei einer Verkehrskontrolle würde es abgeschleppt.

Parken vor Feuerwehrzufahrt

Ein Fahrzeug halb vor einer Feuerwehrzufahrt am Falkenplatz

Eingeengte Gehwege durch auf dem Gehweg parkende Fahrzeuge. Teilweise zusätzlich verengt durch abgestellte Fahrräder (diese würden kaum stören, wenn die Autos nicht auf den Gehwegen stünden). Einige Fälle werden als Beispiele nachfolgend fotografisch  illustriert.

Gehwegeinengung

Der auf 66 cm eingeengter Gehweg am Wakenitzufer ist definitiv zu schmal für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl

Wenn der Postzusteller kommt, ist der Gehweg dicht

Wenn der Postzusteller kommt, ist der Gehweg dicht (Travelmannstraße)

Einengungen an Fahrrädern

Weitere Einengungen an Fahrrädern

Resümierend kann ich den Eindruck, dass die Selbstregulierung gut funktioniere, nicht bestätigen. Simon Cray schrieb: „ … nichts desto trotz bin ich der Meinung das in den allermeisten Fällen mehr als ausreichend Platz für Gehwagen und Kinderwagen vorhanden  ist“ und macht die Belange von Fußgängern damit zu einem statistischen Problem, wie auch Jörn Schweder am 9.1. (Link): „Außerdem sind auf der Ecke so wenig Menschen zu Fuß unterwegs, das sieht jeder der mal 10 Minuten aus dem Fenster geschaut hat“. Die Frage, ob Menschen mit Gehhilfen behindert werden könnten, darf in meinen Augen nicht davon abhängig gemacht werden, ob der Fall voraussichtlich häufig auftreten wird, sondern ob es überhaupt eintreten kann.

Aber dies ist eine Augenblicksanalyse an einem stinknormalen Samstag im Januar bei teilweise schlechtem Wetter (Regen). An anderen Tagen kann es anders kommen. Wie sieht es aus, wenn Schnee liegt? Oder wenn es im Sommer viele Besucher an die Wakenitz und in den Schulgarten zieht?

Fußwegparker bekommen nicht systematisch Knöllchen

Der Pressedienst der Hansestadt Lübeck meldet: "Verkehrsgefährdungen werden intensiver geahndet, aber nicht jeder Fußwegparker bekommt automatisch ein Knöllchen". In einer gemeinsamen Presseerklärung von Ordnungsamt und Feuerwehr wird das Problem nochmal erläutert (Meldung 140026L 2014-01-09). Das heißt, es wird mit Augenmaß vorgegangen und Verstöße von Geringfügigkeit weiterhin toleriert. Damit bleibt aber nicht alles wie es war.

Bereits 2013 gab es in Karlsruhe ein ähnliches Umschwenken. Bis dahin toleriertes Gehwegparken wurde kritischer gesehen (Link: Karlsruher Duldungsregel gekippt). Dies zeigt, dass das Problem mit dem Parken keinesfalls eine Erfindung Lübecks ist, sondern eins, das alle Städte irgend wann einholen kann, welche eine gewisse Duldung üben. In Bad Segeberg bekommt jeder ein Knöllchen für Parken auf dem Gehweg, wenn er auch nur ein paar Zentimeter auf dem Bordstein steht; so radikal wird es in Lübeck nicht gehandhabt werden.

Nach den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen wird heute für die Neuanlage von Gehwegen eine Regelbreite von 2,50 Meter zugrunde gelegt, heißt es in der Presseerklärung. Das lässt sich aber so nicht auf alt gewachsene Stadtviertel wie beispielsweise der Lübecker Altstadt oder dem Quartier Falkenstraße (Falkenwiese) übertragen. Hier müssen wir mit der Gehwegbreite auskommen, welche jetzt vorhanden ist. Im "Verkehrskonzept Quartier Falkenstraße" aus dem Jahr 2010 wird angegeben, dass die Gehwegbreite im Quartier Falkenstraße 200 cm beträgt. Davon Parkraum abzuziehen ist verglichen mit der Vorgabe damit keinesfalls ein Selbstgänger.

In einem offenen Brief an den Innensenator will Herr Kangastie im Namen seiner Bürgerinitiative "www.parken-falkenwiese.de" nun nur noch eine Restbreite von 1,3 m dem Fußverkehr lassen. Anfangs hatte er 1,5 m angeboten. Gehwagen werden in Breiten zwischen 59 und 67 cm hergestellt (Quelle: http://www.sanitaetshaus-24.de), Rollstühle sind inklusive Platz für die Hände bis zu 86 cm breit (Quelle: nullbarriere.de) und etwas Sicherheitsabstand zu Zäunen und Fahrzeugen sollte man einem älteren Menschen auch zugestehen; beidseitig je 20 cm empfinde ich als Minimum. Das macht für mich 67 + 40 = 107 cm Platzbedarf ohne Gegenverkehr. Als Abstand für Begegnungsverkehr werden 27,5 cm angegeben als Fußgängerbreite geht man von 78 cm aus (Quelle: Wie Breit müssen Gehwege sein?).

Die Begegnung einer Person mit Rollator (oder Kinderwagen) mit einem Fußgänger würde damit eine erforderliche Gehwegbreite von 107 + 27,5 + 78 cm = 212,5 cm ergeben. Damit ist zum Parken in der Attendornstraße kein Platz, weil der Gehweg sowieso schon zu schmal ist. Ich bin aber der Ansicht, dass es einem Fußgänger durchaus zuzumuten ist, sich bei einer Begegnung mal schmal zu machen. Man kann Kompromisse machen, aber mehr als 130 – 107 = 23 cm (bzw. bei Begegnung mit einem Rollstuhl 4 cm) sollte man einem Fußgänger schon zubilligen. Die bis dato diskutierten 150 cm dürfen in meinen Augen auf keinen Fall unterschritten werden. Jedem sollte an dieser Stelle aber klar sein, dass bei einer Begegnung Rollator mit Rollator, bzw. Kinderwagen einer der beiden in einem Hauseingang warten muss, damit der andere passieren kann. Im Prinzip sind 150 cm eigentlich schon zu wenig.

Man muss sich wirklich fragen, warum die sich nun zu Wort meldenden Autofahrer Kompromisse ausschließlich zu Lasten der Fußgänger einzugehen bereit sind. Alternativen wie Pendlerportal oder nächtliche Nutzung von Firmenparkplätzen scheinen überhaupt nicht in Betracht gezogen zu werden. Ebenso scheint das Wort Carsharing eher als Reizkristallisationspunkt zu fungieren anstatt es als Alternative anzusehen. So erklärte mir eine Anwohnerin, dass sie ihr Auto nur einmal im Monat benutzte. Solche Nutzer sind für Carsharing eigentlich prädestiniert.

Es ist übrigens nicht so, dass in dem Viertel alle für das Parken auf dem Gehweg sind. Wenn man mit den Bewohnern spricht, hört man auch Meinungen wie: "Wann geht es denn los? Es stand doch in der Zeitung, dass verwarnt wird. Das muss doch reichen!"

www.parken-falkenwiese.de

Der Bewohner der Attendornstraße, Wulfila Kangastie, hat mit dem Start einer Unterschriftenkampagne nebst Website einen ersten medienwirksamen Versuch gestartet, eine Lösung im Miteinander zu suchen. Es werden keine Radikalforderungen erhoben, sondern ganz pragmatische umsetzbare Lösungen gesucht. Auch unter der Berücksichtigung der Interessen von Fußgängern.

In einer Fotomontage versucht er aufzuzeigen, wie eine Lösung aussehen könnte.

Link: www.parken-falkenwiese.de