Alternative Carsharing

Carsharing mit Stattauto

Für wen lohnt eigentlich Carsharing?

Antworten findet man auf der Webseite von stattauto-hl.de:

  • für alle Menschen, die nicht täglich ein Auto benötigen und im Durchschnitt weniger als 10.000 Kilometer pro Jahr zurücklegen
  • für Leute, die sich nicht gerne um den ganzen „Ballast“ kümmern, der mit einem privaten Auto verbunden ist (TÜV, Wartung, Reparaturen, Pflege, Versicherung, An-/Ummeldung, …)
  • in Wohngebieten mit hohem Parkdruck und bei Nerven raubender Parkplatzsuche (StattAuto hat reservierte Stellplätze)
  • für Umweltbewusste als Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, als Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad im Innenstadtbereich
  • als Zweitwagen für Familien
  • für kleine und mittlere Firmen, die Ihren Fuhrpark ausgliedern oder entlasten möchten bzw. deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr ihren privaten Pkw für Dienstfahrten nutzen müssen

Damit ist klar, dass dies keine Alternative für Pendler ist. Wenn man aber durch das Gebiet Falkenwiese streift, entdeckt man noch Tage nach der letzten Verteilaktion der mittlerweile bekannten "Glück gehabt!"-Hinweise der Stadtverwaltung, Fahrzeuge mit einem solchen Zettelchen.

Langzeitparker

Ein gewisser Prozentsatz an Fahrzeugen wird nicht dauernd bewegt

Wer sein Fahrzeug nur sporadisch nutzt, sollte in der Tat darüber nachdenken, ob Carsharing für ihn nicht eine Alternative darstellen könnte. Die Genossenschaft Stattauto bietet auch einen Schnuppertarif an. Man muss sich nicht sofort für einen radikalen Schnitt entscheiden.

Nicht zuletzt die Mitverantwortung eines jeden Parkers für die prekäre Parklatzsituation sollte zugleich auch an das eigene Verantwortungsbewusstsein appellieren, einvernehmlichere Lösungen anzustreben, die auch Nichtautofahrern zugute kommen.

Fußwegparker bekommen nicht systematisch Knöllchen

Der Pressedienst der Hansestadt Lübeck meldet: "Verkehrsgefährdungen werden intensiver geahndet, aber nicht jeder Fußwegparker bekommt automatisch ein Knöllchen". In einer gemeinsamen Presseerklärung von Ordnungsamt und Feuerwehr wird das Problem nochmal erläutert (Meldung 140026L 2014-01-09). Das heißt, es wird mit Augenmaß vorgegangen und Verstöße von Geringfügigkeit weiterhin toleriert. Damit bleibt aber nicht alles wie es war.

Bereits 2013 gab es in Karlsruhe ein ähnliches Umschwenken. Bis dahin toleriertes Gehwegparken wurde kritischer gesehen (Link: Karlsruher Duldungsregel gekippt). Dies zeigt, dass das Problem mit dem Parken keinesfalls eine Erfindung Lübecks ist, sondern eins, das alle Städte irgend wann einholen kann, welche eine gewisse Duldung üben. In Bad Segeberg bekommt jeder ein Knöllchen für Parken auf dem Gehweg, wenn er auch nur ein paar Zentimeter auf dem Bordstein steht; so radikal wird es in Lübeck nicht gehandhabt werden.

Nach den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen wird heute für die Neuanlage von Gehwegen eine Regelbreite von 2,50 Meter zugrunde gelegt, heißt es in der Presseerklärung. Das lässt sich aber so nicht auf alt gewachsene Stadtviertel wie beispielsweise der Lübecker Altstadt oder dem Quartier Falkenstraße (Falkenwiese) übertragen. Hier müssen wir mit der Gehwegbreite auskommen, welche jetzt vorhanden ist. Im "Verkehrskonzept Quartier Falkenstraße" aus dem Jahr 2010 wird angegeben, dass die Gehwegbreite im Quartier Falkenstraße 200 cm beträgt. Davon Parkraum abzuziehen ist verglichen mit der Vorgabe damit keinesfalls ein Selbstgänger.

In einem offenen Brief an den Innensenator will Herr Kangastie im Namen seiner Bürgerinitiative "www.parken-falkenwiese.de" nun nur noch eine Restbreite von 1,3 m dem Fußverkehr lassen. Anfangs hatte er 1,5 m angeboten. Gehwagen werden in Breiten zwischen 59 und 67 cm hergestellt (Quelle: http://www.sanitaetshaus-24.de), Rollstühle sind inklusive Platz für die Hände bis zu 86 cm breit (Quelle: nullbarriere.de) und etwas Sicherheitsabstand zu Zäunen und Fahrzeugen sollte man einem älteren Menschen auch zugestehen; beidseitig je 20 cm empfinde ich als Minimum. Das macht für mich 67 + 40 = 107 cm Platzbedarf ohne Gegenverkehr. Als Abstand für Begegnungsverkehr werden 27,5 cm angegeben als Fußgängerbreite geht man von 78 cm aus (Quelle: Wie Breit müssen Gehwege sein?).

Die Begegnung einer Person mit Rollator (oder Kinderwagen) mit einem Fußgänger würde damit eine erforderliche Gehwegbreite von 107 + 27,5 + 78 cm = 212,5 cm ergeben. Damit ist zum Parken in der Attendornstraße kein Platz, weil der Gehweg sowieso schon zu schmal ist. Ich bin aber der Ansicht, dass es einem Fußgänger durchaus zuzumuten ist, sich bei einer Begegnung mal schmal zu machen. Man kann Kompromisse machen, aber mehr als 130 – 107 = 23 cm (bzw. bei Begegnung mit einem Rollstuhl 4 cm) sollte man einem Fußgänger schon zubilligen. Die bis dato diskutierten 150 cm dürfen in meinen Augen auf keinen Fall unterschritten werden. Jedem sollte an dieser Stelle aber klar sein, dass bei einer Begegnung Rollator mit Rollator, bzw. Kinderwagen einer der beiden in einem Hauseingang warten muss, damit der andere passieren kann. Im Prinzip sind 150 cm eigentlich schon zu wenig.

Man muss sich wirklich fragen, warum die sich nun zu Wort meldenden Autofahrer Kompromisse ausschließlich zu Lasten der Fußgänger einzugehen bereit sind. Alternativen wie Pendlerportal oder nächtliche Nutzung von Firmenparkplätzen scheinen überhaupt nicht in Betracht gezogen zu werden. Ebenso scheint das Wort Carsharing eher als Reizkristallisationspunkt zu fungieren anstatt es als Alternative anzusehen. So erklärte mir eine Anwohnerin, dass sie ihr Auto nur einmal im Monat benutzte. Solche Nutzer sind für Carsharing eigentlich prädestiniert.

Es ist übrigens nicht so, dass in dem Viertel alle für das Parken auf dem Gehweg sind. Wenn man mit den Bewohnern spricht, hört man auch Meinungen wie: "Wann geht es denn los? Es stand doch in der Zeitung, dass verwarnt wird. Das muss doch reichen!"

Weniger Parkmöglichkeiten für die Bewohner Lübecks

Parken auf dem Gehweg in der Morkerkestraße (St. Jürgen)

Vielfach zugeparkte Gehwege in St. Jürgen und anderen Stadtteilen. Hier Morkerkestraße.

Seit Anfang 2014 wird die Stadt Lübeck das Parken auf dem Gehweg nicht mehr tolerieren

Zu dem Thema erschienen bereits einige Artikel in den Lübecker Nachrichten (LN). Im Internet-Portal hl-live.de gehen die Meinungen darüber auseinander.

Hintergrund sind einerseits massive Probleme von Feuerwehr und Müllabfuhr in eng beparkten Straßen und andererseits zunehmende Beschwerden von Bürgern über zugeparkte Gehwege. Im Verkehrsausschuss der Stadt Lübeck wurde daher beschlossen, Gehwegparken nicht länger zu tolerieren.

Jahre lang hat die Stadt das Beparken von Gehwegen toleriert, während die Polizei immer mal wieder das Parken auf dem Gehweg ahndete. Im Gegensatz zu dem Bericht in den LN vom 4.1.2014 kostet dies nicht 15 € Bußgeld, sondern 20 € Verwarngeld. Ein Bußgeld wird erst erlassen, wenn der Betroffene sein Verwarngeld nicht zahlt. Der Bußgeldbescheid ist nicht kostenlos, sondern da kommen zum Verwarngeld noch weitere 20 € Gebühr und Porto hinzu; das macht summa summarum ca. 43 €.

Wie geht man mit dieser Entwicklung konstruktiv um? Schließlich wird das Gehwegparken nicht plötzlich verboten, sondern ist schon immer verboten gewesen. Die Entwicklung auf dem Automarkt geht – für mich unverständlicherweise – in Richtung immer größerer Fahrzeuge mit immer größeren Motoren. Die Stadt kann sich dieser Entwicklung nicht anpassen. Auch ein Zweitauto ist heute vielfach nichts extravagantes mehr. Ein weiteres Problem ist der demographische Wandel; es gibt immer mehr Menschen, die einen Gehwagen vor sich hin schieben oder auf anderweitige Gehhilfen angewiesen sind. Da kommt es auf zugeparkten Gehwegen immer mehr zu Problemen.

Einen geeigneten Parkplatz zu suchen, liegt grundsätzlich in der Verantwortung des Autofahrers. Der imperative Anspruch einiger Autofahrer, die Stadt müsse nun weiteren Parkraum schaffen, geht fehl. Die Stadt hat vielmehr dafür zu sorgen, dass die Belange der schwächeren Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, besonders älterer) nicht weiter beeinträchtigt werden. Ebenso hat sie dafür zu sorgen, dass die Verkehrswege für Feuerwehr und Müllabfuhr problemlos durchlässig sind.

In der Altstadt wird das Parken auf dem Gehweg schon seit Jahren unterbunden. Ohne dass es zum Parkinfarkt kommt.

Parken in der Altstadt, hier Hundestraße

Parken in der Altstadt klappt auch ohne zugeparkte Gehwege (Hundestraße)

Es wird nicht möglich sein, kurzfristig neue Parkmöglichkeiten anzubieten. Die Eskalation der Parkverhälnisse in Lübeck geht aber eindeutig aufs Konto der Fahrzeuginhaber. Wer sein Auto nicht täglich benötigt, sollte darüber nachdenken, ob Carsharing für ihn eine Option sein könnte. Hier in Lübeck gibt es die Genossenschaft Stattauto, welche nicht nur in der Alstadt Autostationen unterhält, sondern zunehmend auch in Außengebieten (z. B. Falkenstraße, Hüxtertorallee u.s.w.).

Beim Carsharing hat man keine Parkplatzprobleme, hat immer ein technisch einwandfreies Fahrzeug, braucht sich nie mehr um Bereifung, Werkstattkosten, Steuern und Versichtung fürs Auto sorgen. Ich kann das persönlich bestätigen, denn ich habe mein Auto vor Jahren abgeschafft und bin zu Stattauto gewechselt. Seit her habe ich nicht nur ein "Sorgenkind" weniger, sondern auch viel mehr Geld für anderes.

Ich hoffe sehr, dass nun Veränderungsprozesse in Gang kommen, welche vernünftige Lösungen nach sich ziehen. Vor allem zukunftsweisende Verkehrskonzepte und bessere Lösungen für den Individualverkehr (z. B. das Lübecker Pendler-Portal). Der ungebremste Zuwachs an Autos und die gut meinende Tolerierung verkehrswidrigen Parkens über Jahre hat einen Zustand herbeigeführt, welcher heute nicht mehr tragbar ist, weil die Rechte dritter damit verletzt werden.

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Alternative Parkkonzepte