Stress in der Pandemie

Nenas falsches Freiheitsverständnis.

Nenas Konzert wurde im Juli 2021 abgebrochen, nachdem Zuschauer erbost die Veranstaltung verließen, weil Nena von der Bühne aus dazu aufforderte, die Masken abzulegen und näher zusammenzurücken. Wer rechnen kann, dem wird klar, dass die alten Nena-Fans heute zur Risikogruppe um die 60 Jahre gehören.

Gehört Nena zur Querdenkerszene? Kaum vorstellbar; ich vermute eher, dass sie eine infantile Vorstellung von Freiheit hat. Was die Staatszersetzer sicher auszuschlachten versuchen.

Der Journalist Hannes Soltau brachte es in seinem Kommentar im Tagesspiegel am 26.08.2021 auf den Punkt, indem er schrieb: „Freiheit bedeutet nämlich nicht, zu tun und zu lassen, was man will. Freiheit ist vielmehr die Einsicht in die Notwendigkeit, wie Hegel einst sinngemäß schrieb.“

Es beruhigt mich sehr, dass es noch Menschen gibt, die ihren Kopf zum Denken benutzen. Wer auf einer Bühne steht, sollte wissen, welche Verantwortung er für das trägt, das er äußert. Nena hat sich gerade ins Abseits mannövriert und vielleicht auf einen Schlag einen Haufen Fans verloren.

Unter dieser Pandemie leidet die gesamte Menscheit und niemand kann persönlich etwas dafür, dass sie auftrat. Trotzdem müssen wir adäquat mit ihr umgehen und mit kühlem Kopf entscheiden – was, wie wir wissen, nicht immer einfach ist, weil niemand Langzeiterfahrungen mit diesem Virus und seinen Mutanten haben kann.

Wir alle wurden zu wenigstens Semi-Experten in Infektiologie. Dass es Menschen gibt, die aus staatszersetzenden Motiven (Querdenker-Szene) agieren und mutwillig Desinforamtion betreiben (Corona-Diktatur u.s.w.), ist das eine – ohne Corona, gäbe es die aber auch. Die Majorität unserer Gesellschaft gehört diesem Klientel nicht an und sollte gefälligst genau überlegen, was öffentlichkeitswirksam verbreitet wird und nicht aus dem Bauch heraus reden.

Lockdown vorbei, alle ins Stadion!

Eskalation mit Ansage. Lockern nach dem Lockdown ist vor der nächsten Welle. Am kommenden Sonntag findet das Endspiel, Italien gegen England, in London statt während die Corona-Zahlen englands schon exponentiell steigen.

Covid-Fallzahlen Großbritanniens im Juli 2021; Quelle Johns Hopkins University (JHU)

Hard facs der JHU für Großbritannien (GB) am 10.07.2021: Infiziert: 5.075.957, versorben: 128.631 (die zu Hause verstorbenen werden nicht getestet und fehlen in der Statistik), geimpft: 80.745.728. Wir werden am Sonntag sehen, ob es tragfähige Hygieneregeln gibt oder ob die Massen ihre Viren austauschen.

Jeder Laden, der im nächsten Lockdown pleite geht, darf sich bei der UEFA bedanken. Und bei Staaten, die sowas zulassen. Wir kennen die Situationen aus den voran gegangenen Spielen. Wir sahen teilweise volle Stadien ohne Masken und ohne Sicherheitsabstand. Das einzige, das in solchen Situationen sicher ist, ist, dass sich viele infizieren.

Nachtrag: Kleine Impression vom Endspiel. Im Wembley-Stadion stehen die Fans dicht an dicht ohne Masken. Das war ja zu erwarten.

20.07.2021: Wegfall aller Beschränkungen in GB – es darf ohne Abstandsregeln und Masken wieder gefeiert werden, obwohl die Infektionszahlen weiter exponentiell steigen und längst das NIveau des letzten Lockdowns erreicht haben. Mich wundert, dass noch kein Land erklärt hat, dass es seine Grenze zu GB schließt.

Die Zahlen für die Niederlande und Spanien (Urlaubsland in den Sommerferien!) steigen ebenfalls exponetiell, ohne das Einreiseregeln verschäft werden und Einreisequrantäne angeordnet wird. Ich sehe alles kommen wie in 2020: Anstieg nach den Ferien, Lockdown spätestens zum Weihnachtsgeschäft 2021 mit diversen Geschäftspleiten.

Letzte Woche gab es laut NDR-Videotext schon einen Superspreader in Niedersachsen. Kam aus dem Spanien-Urlaub und ging dann infiziert in eine Disco. Und es hieß zudem in dieser Meldung, dass viele Discobesucher nicht ausfindig gemacht werden konnten.

Chaos: Impfterminvergabe in SH

Am 20.5.2021 wurden über das Portal http://impfen-sh.de/ 75.000 Impftermine für die Prioritätsgruppe 3 angeboten. Als ich mich um 18:00 Uhr dort einloggte, waren 575.508 Leute vor mir dran – wie kann das sein? SH hat nach aktueller Statistik (Statistisches Landesamt HH & SH) derzeit 452.205 Einwohner über 60, die bisher geimpften über 70-jährigen abgezogen, sogar nur 188.214 Menschen.

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387.294 mehr Wartende eingeloggt als Menschen über 60 in SH (188.214)

Wenn man davon aus geht, dass sich nicht jeder einloggen kann, muss man sich fragen, wie ein Überhang von 205 % zustandekommen kann! Hat SH denn so viele chronisch kranke? OK, Diabetiker sind auch in dieser Gruppe, wie Leberkranke usw., sowie Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr und Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel. (Bundesregierung: Impfpriorisierung)

Ich habe die Anmeldung die ganze Nacht durchlaufen lassen. Am 21.05. um 8:10 Uhr waren „nur“ noch 38.835 vor mir dran, der große Rest hatte schon aufgegeben. Um 8:30 Uhr erfolge dann die Meldung, dass alle 75.000 Impftermine vergeben seien. Wozu dieser entwürdigende Umgang mit Menschen, welche durch diese Krankheit in Lebensgefahr geraten können?

Kann man nicht Landkreis für Landkreis, die Landkreise der höchsten Inzidenz zuerst, die Menschen der Prioritätsgruppe anschreiben und einen Impftermine vorschlagen, welcher binnen einer Woche online, per Telefon oder Brief bestätigt werden muss bevor er anderen angeboten wird? Daneben gibt es ja noch die Möglichkeit, sich beim Hausarzt auf die Warteliste setzen zu lassen und zusätzlich noch eine über die Kassenärztliche Vereinigung SH: https://www.praxisimpfliste-sh.de (leider machen da nicht viele Praxen mit).

Über meinen Arbeitgeber hätte ich als systemrelevanter Mitarbeiter beinahe einen Impftermin über ein Sonderkontingent bekommen können, aber ich bekam ihn nicht, weil ich der Prioritätsgruppe 3 angehöre, die jetzt einen Impftermin bekommen kann. So lange dafür aber wesentlich weniger Impfdosen verfügbar sind, als Impfberechtigte vorhanden ca. 100.000 Impfdosen bisher, bei rund 190.000 Berechtigten, beträgt die tatsächliche Chance derzeit nur 50 %. Wenn es einschließlich aller chonisch Kranker der Prioritätsgruppe 3 tatsächlich 600.000 berechtigte gibt, dann bestand bisher nur eine Chance von 1:6, also17 %.

Covid19 Todesfälle in SH (Stand: 21.05.2021). Quelle: RKI Dashboard

So werden auf diese Weise wohl meine jüngeren Kollegen geimpft, obwohl sie nur einen milden Verlauf zu befürchten haben. Ein seltsames Verständnis von Schutz systemrelevanter Mitarbeiter.

Laut Bundesregierung sollab dem 7.6.2021 die Impfpriorisierung ganz entfallen(Bundesregierung: Impfpriorisierung). Von da an beträgt die Chance für über 60-jährige in SH dann 190.000 zu 2.851.000, also 190/2.851, bzw. 7 %.

Ob man das dann noch eine reale Chance nennen möchte? Ich bin zumindest sehr enttäuscht. Wenn ich bedenke, wie viel Monate Zeit man sich nahm, die 264.000 über 70-jährigen in SH zu impfen, von denen ein großer Teil über Altenheime schnell gemeinschaftlich geimpft werden konnten, da bezweifle ich sehr, dass es möglich ist, binnen 5 Wochen die Priotitätsgruppe 3 durchzumpfen, wenn binnen 3 Wochen nur 17 % geimpft werden konnten.

Update

Eben gerade hörte ich in den Abendnachrichten um 19:30 Uhr im Schleswig-Holstein-Magazin (NDR) den schleswig-holsteinischen Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sich folgendermaßen äußern: Diese Form der Terminvergabe wird aufgegeben; von nun an gibt es die Möglichkeit, sich online zu registrieren. Man bekommt dann per E-Mail einen Impftermin vorgeschlagen.

Offensichtlich haben auch andere erkannt, dass die bisherige Form der Vergabe nicht angemessen war.

17 Staaten Europas mit deutlicher 2. Ausbruchswelle!

Man bedenke, dass man erstmal die Pandemie einigermaßen in den Griff bekommen haben muss, um überhaupt eine 2. Welle entwickeln zu können. Viele Staaten haben das nie geschafft; vor allem solchen in Südamerika, Afrika und dem Nahen Osten.

In Deutschland wird (wie immer) auf hohem Niveau gemeckert, die Pandemie ist aber kein nationales Problem. Eine deutliche 2. Welle ist bei folgenden Staaten Europas zu beobachten: Kroatien, Montenegro, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Slowakei und Slowenien, also auf dem Balkan. Aber eben auch in Österreich und Luxemburg!

Weniger deutlich zeichnet sich eine 2. Welle ab in Belgien, Island, der Schweiz und Ungarn.

Quelle: Mein Fallzahlen-Plot (ich aktualisiere nur noch ca. einmal wöchentlich): http://cov2.son-schiet.de/land.php?id=40 (Koratien ist als Beispiel gewählt).

Lockerung wäre fatal!

Es ist mir ein Rätsel, warum der Begriff „Lockerung“ in aller Mude ist. Für die Lockerung der derzeitigen Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie besteht überhaupt kein Anlass.

Im Infektionsgeschehen Deutschlands gibt es gerade mal eine leichte Abflachung im Zuwachs der Fallzahlen. Siehe Grafik.

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Infektionsgeschehen in DE, Stand 20.04.2020 Quelle: son-schiet.de

Die derzeitige Durchseuchung Deutschlands beträgt gerade mal 0,18 % – wohlgemerkt, um das Virus zu stoppen, wird eine Durchseuchung von 60–70 % (!) benötigt.

In einen sicheren Bereich können wir erst kommen, wenn ein Impfstoff auf dem Markt ist. Den Angaben der Wissenschaftler nach, kann damit frühestens innerhalb zweier Jahre gerechnet werden oder eben erst nach 5 Jahren.

Natürlich ist unsere Gesellschaft davon abhängig, dass die Geschäfte laufen. Ich bin auch der Ansicht, dass das anzustreben ist. Aber auf keinen Fall auf dem Wege von Lockerungen!

Geschäftsmäßige Tätigkeiten dürfen nur dort wieder aufgenommen werden, wo restriktive Hygienemaßnahmen umsetzbar sind. Wenn es möglich ist, dass Kunden einen Drogeriemarkt betreten, gibt es auch epedemiologisch keinen Grund, den Betrieb von Geschäften mit üblicherweise wenig Publikumsverkehr zu untersagen; z.B. Fotofachgeschäfte, Raumausstatter usw. Geschäfte, mit Gedränge und Unterschreitung des Hygieneabstandes von 1,5–2 m darf es nicht geben. Solche Unternehmen sind aufgefordert, kreativ zu sein und neue Lösungen zu suchen. Vielleicht muss Selbstbedienung aufgegeben werden?

Eine baldige Rückkehr ins öffentliche Leben wie vor der Pandemie wird es, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren geben. Und überhaupt, in andern Ländern verläuft die Infektionsentwicklung noch fiel dramatischer. Beispielsweise in Bangladesch, wo sehr viel unsere Bekleidung produziert wird. Aus Afrika gibt es nur sehr bruchstückhafte Zahlen zur Entwicklung der Pandemie.

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Infektionsgeschehen in Bangladesch, Stand 20.04.2020, Quelle: son-schiet.de

Eine Pandemie kennt keine nationalen Grenzen. Der Zuwachs der Infektionen in Bangladesch verläuft exponentiell! Eine Abflachung ist derzeit nicht in Sicht und die menschliche Massenansammlung anlässlich der Beerdigung eines Propheten (letzte Woche), wo sich tausende Menschen drängten, wird dem weiter Vorschub leisten.

Wir haben hier ein massives globales Problem, das viel größer ist, als dass vielleicht H&M pleite geht. Daher verstehe ich sehr gut, dass Prof. Drosten, wie auch unsere Kanzlerin angesichts einer Lockerungs-Diskussion in helle Aufregung geraten.

Wann ist Deutschland mit dem Corona-Virus durch?

Kurz gesagt, ich weiß es nicht. Aber ich kann mir vorstellen, wie man es im Prinzip ausrechnen können müsste.

Ich gehe von folgenden angenommenen Zahlen aus: 5 % der Infizierten müssen in eine Klinik, es gibt deutschlandweit 50.000 Klinikplätze und eine Erkrankung wird durchnittlich in 15 Tagen auskuriert. Unter diesen Bedingungen dürfen maximal 1.000.000 Menschen in DE zeitgleich erkranken – den Dreisatz, dies auszurechnen, zeige ich hier jetzt nicht.

5 % entspicht 50.000 Patienten (Betten), 1 % entspricht 10.000 Patienten, 100 % entspricht 1.000.000 Patienten.

In einem Jahr (365 Tage) dürfen damit 365/15 = 24 * 1.000.000 Patienten an Covid-19 erkranken. Die Virologen sagen, ab einer Durchseuchung von 60–70 % kann man mit dem Virus leben. 70 % der Deutschen Bevölkerung (83.000.000) ergibt 58.100.000 Menschen.

Die letzte Rechnung: 58.100.00 Patienten /24.00.00 Patienten pro Jahr = 2,4 Jahre. Dies wäre die Zeitspanne, innerhalb derer frühestens mit einer 70 %igen Durchseuchung der Bevölkerung zu rechnen ist.

Es wäre mal interessant, diese Rechnung mit realen Zahlen nachzurechnen. Die habe ich aber derzeit nicht.

Mit Spannung erwarten wir deshalb auf die Ergebnisse der Bayerischen Studie zur Ermittlung der Dunkelziffer. Diese erlaubt nämlich eine Einschätzung, wie viele Patienten tatsächlich in eine Klinik müssen. Die Sterberate spielt in dieser Rechnung keine Rolle.

Was diese Rechnung implizit zeigt, ist, dass wir zu einem anderen Umgang mit der Pandemie kommen müssen. Von Lockerung möchte ich nicht sprechen, aber Geschäftsleben muss zugelassen werden und dafür müssen Rahmenbedingungen erarbeitet werden.

Die Ansage: “Wir machen mal ein paar Wochen alles zu” und sind dann hoffentlich über ‘m Berg, ist töricht.

Nachtrag: DE verfügt über 29 Intensivbetten/100.000 Einwohner (Quelle: Laura Höfinger & Katrin Kuntz in Der Spiegel, 29.3.20). Das ergibt bei 83.000.00 Einwohnern insgesamt 830*29=24.070 Intensivbetten. Wenn man davon ausgeht, dass vielleicht nicht jeder hospitierte Corona-Patient ein Intensivbett benötigt, sondern nur 1/4 der Patienten und dafür ausreichend Betten verfügbar sind (es gibt ja auch noch andere Patienten). Dann können wir von 100.000 verfürbaren Betten ausgehen und obige Rechnung wiederholen (danach benötigt 1/4 der Corna-Patienten ein Intensivbett – ob diese Annahme zutrifft, weiß ich natürlich nicht).

Irrsinn in Zeiten von Corona: Hamsterkäufe und anderes Fehlverhalten

Dass Hamsterkäufe das erzeugen, wovor sich Hamsterkäufer schützen wollen, liegt auf der Hand: Versorgungsmängel. Klopapier ist derzeit am stärksten gefragt und nur noch selten zu bekommen.

Klopapier nicht lieferbar (Aldi)
Die Kehrseite von Hamsterkäufen: Klopapier bei Aldi nicht mehr lieferbar
Kloapierangebot in Coronazeiten
Es gibt kaum noch Klopapier zu kaufen, also muss man zugreifen, wenn es irgendwo welches gibt, egal wie viel man noch hat

Ebenfalls stark nachgefragt ist Industriell verpacktes Brot (ich kaufe mein Brot sowieso lieber beim Bäcker), Mehl und Nudeln. Anfangs gab es auch Engpässe bei Gemüse, aber davon ist nichts mehr zu bemerken.

Was mich neben dem künstlich erzeugten Mangel am meisten aufregt, sind Leute, die bei der Suche nach dem Käse mit der längsten Resthaltbarkeit alle Käsepackungen angrabbeln und damit potentiell schmierinfizieren. Ähnliches ist auch bei losem Gemüse und Obst zu beobachten. Als Ächter von Plastikverpackung könnten solche Beobachtungen bei mir dazu führen, doch lieber in Plastik verpacktes Gemüse zu kaufen. – Ganz entgegen meinem sonstigen Verhalten.

Atemschutzmasken im Baumarkt
Keine Atemschutzmasken im Baumarkt zu bekommen

Atemschutzmasken gibt es in Baumärkten (Bauhaus) schon lange nicht mehr. Dabei hat es in diesem Sortiment wahrscheinlich nie solche gegeben, die für den Schutz vor Infektionskrankheiten konzipiert sind. Und dafür, dass es praktisch nirgends mehr Schutzmasken gibt, sieht man auf der Straße und beim Einkaufen nur sehr wenige Menschen, welche Masken tragen.