Lockerung wäre fatal!

Es ist mir ein Rätsel, warum der Begriff „Lockerung“ in aller Mude ist. Für die Lockerung der derzeitigen Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie besteht überhaupt kein Anlass.

Im Infektionsgeschehen Deutschlands gibt es gerade mal eine leichte Abflachung im Zuwachs der Fallzahlen. Siehe Grafik.

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Infektionsgeschehen in DE, Stand 20.04.2020 Quelle: son-schiet.de

Die derzeitige Durchseuchung Deutschlands beträgt gerade mal 0,18 % – wohlgemerkt, um das Virus zu stoppen, wird eine Durchseuchung von 60–70 % (!) benötigt.

In einen sicheren Bereich können wir erst kommen, wenn ein Impfstoff auf dem Markt ist. Den Angaben der Wissenschaftler nach, kann damit frühestens innerhalb zweier Jahre gerechnet werden oder eben erst nach 5 Jahren.

Natürlich ist unsere Gesellschaft davon abhängig, dass die Geschäfte laufen. Ich bin auch der Ansicht, dass das anzustreben ist. Aber auf keinen Fall auf dem Wege von Lockerungen!

Geschäftsmäßige Tätigkeiten dürfen nur dort wieder aufgenommen werden, wo restriktive Hygienemaßnahmen umsetzbar sind. Wenn es möglich ist, dass Kunden einen Drogeriemarkt betreten, gibt es auch epedemiologisch keinen Grund, den Betrieb von Geschäften mit üblicherweise wenig Publikumsverkehr zu untersagen; z.B. Fotofachgeschäfte, Raumausstatter usw. Geschäfte, mit Gedränge und Unterschreitung des Hygieneabstandes von 1,5–2 m darf es nicht geben. Solche Unternehmen sind aufgefordert, kreativ zu sein und neue Lösungen zu suchen. Vielleicht muss Selbstbedienung aufgegeben werden?

Eine baldige Rückkehr ins öffentliche Leben wie vor der Pandemie wird es, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren geben. Und überhaupt, in andern Ländern verläuft die Infektionsentwicklung noch fiel dramatischer. Beispielsweise in Bangladesch, wo sehr viel unsere Bekleidung produziert wird. Aus Afrika gibt es nur sehr bruchstückhafte Zahlen zur Entwicklung der Pandemie.

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Infektionsgeschehen in Bangladesch, Stand 20.04.2020, Quelle: son-schiet.de

Eine Pandemie kennt keine nationalen Grenzen. Der Zuwachs der Infektionen in Bangladesch verläuft exponentiell! Eine Abflachung ist derzeit nicht in Sicht und die menschliche Massenansammlung anlässlich der Beerdigung eines Propheten (letzte Woche), wo sich tausende Menschen drängten, wird dem weiter Vorschub leisten.

Wir haben hier ein massives globales Problem, das viel größer ist, als dass vielleicht H&M pleite geht. Daher verstehe ich sehr gut, dass Prof. Drosten, wie auch unsere Kanzlerin angesichts einer Lockerungs-Diskussion in helle Aufregung geraten.

Wann ist Deutschland mit dem Corona-Virus durch?

Kurz gesagt, ich weiß es nicht. Aber ich kann mir vorstellen, wie man es im Prinzip ausrechnen können müsste.

Ich gehe von folgenden angenommenen Zahlen aus: 5 % der Infizierten müssen in eine Klinik, es gibt deutschlandweit 50.000 Klinikplätze und eine Erkrankung wird durchnittlich in 15 Tagen auskuriert. Unter diesen Bedingungen dürfen maximal 1.000.000 Menschen in DE zeitgleich erkranken – den Dreisatz, dies auszurechnen, zeige ich hier jetzt nicht.

5 % entspicht 50.000 Patienten (Betten), 1 % entspricht 10.000 Patienten, 100 % entspricht 1.000.000 Patienten.

In einem Jahr (365 Tage) dürfen damit 365/15 = 24 * 1.000.000 Patienten an Covid-19 erkranken. Die Virologen sagen, ab einer Durchseuchung von 60–70 % kann man mit dem Virus leben. 70 % der Deutschen Bevölkerung (83.000.000) ergibt 58.100.000 Menschen.

Die letzte Rechnung: 58.100.00 Patienten /24.00.00 Patienten pro Jahr = 2,4 Jahre. Dies wäre die Zeitspanne, innerhalb derer frühestens mit einer 70 %igen Durchseuchung der Bevölkerung zu rechnen ist.

Es wäre mal interessant, diese Rechnung mit realen Zahlen nachzurechnen. Die habe ich aber derzeit nicht.

Mit Spannung erwarten wir deshalb auf die Ergebnisse der Bayerischen Studie zur Ermittlung der Dunkelziffer. Diese erlaubt nämlich eine Einschätzung, wie viele Patienten tatsächlich in eine Klinik müssen. Die Sterberate spielt in dieser Rechnung keine Rolle.

Was diese Rechnung implizit zeigt, ist, dass wir zu einem anderen Umgang mit der Pandemie kommen müssen. Von Lockerung möchte ich nicht sprechen, aber Geschäftsleben muss zugelassen werden und dafür müssen Rahmenbedingungen erarbeitet werden.

Die Ansage: „Wir machen mal ein paar Wochen alles zu“ und sind dann hoffentlich über ‚m Berg, ist töricht.

Nachtrag: DE verfügt über 29 Intensivbetten/100.000 Einwohner (Quelle: Laura Höfinger & Katrin Kuntz in Der Spiegel, 29.3.20). Das ergibt bei 83.000.00 Einwohnern insgesamt 830*29=24.070 Intensivbetten. Wenn man davon ausgeht, dass vielleicht nicht jeder hospitierte Corona-Patient ein Intensivbett benötigt, sondern nur 1/4 der Patienten und dafür ausreichend Betten verfügbar sind (es gibt ja auch noch andere Patienten). Dann können wir von 100.000 verfürbaren Betten ausgehen und obige Rechnung wiederholen (danach benötigt 1/4 der Corna-Patienten ein Intensivbett – ob diese Annahme zutrifft, weiß ich natürlich nicht).

Irrsinn in Zeiten von Corona: Hamsterkäufe und anderes Fehlverhalten

Dass Hamsterkäufe das erzeugen, wovor sich Hamsterkäufer schützen wollen, liegt auf der Hand: Versorgungsmängel. Klopapier ist derzeit am stärksten gefragt und nur noch selten zu bekommen.

Klopapier nicht lieferbar (Aldi)
Die Kehrseite von Hamsterkäufen: Klopapier bei Aldi nicht mehr lieferbar
Kloapierangebot in Coronazeiten
Es gibt kaum noch Klopapier zu kaufen, also muss man zugreifen, wenn es irgendwo welches gibt, egal wie viel man noch hat

Ebenfalls stark nachgefragt ist Industriell verpacktes Brot (ich kaufe mein Brot sowieso lieber beim Bäcker), Mehl und Nudeln. Anfangs gab es auch Engpässe bei Gemüse, aber davon ist nichts mehr zu bemerken.

Was mich neben dem künstlich erzeugten Mangel am meisten aufregt, sind Leute, die bei der Suche nach dem Käse mit der längsten Resthaltbarkeit alle Käsepackungen angrabbeln und damit potentiell schmierinfizieren. Ähnliches ist auch bei losem Gemüse und Obst zu beobachten. Als Ächter von Plastikverpackung könnten solche Beobachtungen bei mir dazu führen, doch lieber in Plastik verpacktes Gemüse zu kaufen. – Ganz entgegen meinem sonstigen Verhalten.

Atemschutzmasken im Baumarkt
Keine Atemschutzmasken im Baumarkt zu bekommen

Atemschutzmasken gibt es in Baumärkten (Bauhaus) schon lange nicht mehr. Dabei hat es in diesem Sortiment wahrscheinlich nie solche gegeben, die für den Schutz vor Infektionskrankheiten konzipiert sind. Und dafür, dass es praktisch nirgends mehr Schutzmasken gibt, sieht man auf der Straße und beim Einkaufen nur sehr wenige Menschen, welche Masken tragen.